Lebensmittelversorgung in Berlin nach 1945 ©ullstein-bild
1945-1949
Nachkriegsjahre

Nachkriegszeit

Langsame Rückkehr zur Normalität

Millionen Menschen irren durch Europa. Fremdarbeiter, ehemalige Kriegsgefangene, Überlebende der Konzentrationslager, entlassene Soldaten, Flüchtlinge und Heimatvertriebene sind auf der Suche nach einer neuen Heimat. Doch die Städte sind zerstört, der Wohnraum ist knapp. Die Menschen leben in Kellern und Ruinen, in Lagern und Notunterkünften.

Die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln, Brennstoff, Kleidung und Hygieneartikeln ist schon in den letzten Kriegsmonaten schlecht. Mit dem Zusammenbruch der Wirtschaft im Frühjahr 1945 wird sie katastrophal. Brot, Fleisch, Fett, Zucker, Kartoffeln, Salz und Kaffee-Ersatz werden rationiert. Rund 1500 Kalorien bekommt der „Normalverbraucher“, Kranke und Menschen, die einer schweren Arbeit nachgehen, etwas mehr. 

Mai 1945: Berlin liegt in Trümmern

© Bundesarchiv 183-R77970[1], ADN

Kriegsversehrte, Witwen und Waisen sind auf staatliche Unterstützung angewiesen, doch die reicht kaum für das Nötigste. Der von den Alliierten verhängte Lohnstopp und die ständige Geldentwertung verschärfen die Situation weiter. Wer Sachgüter hat, tauscht sie ein, um den alltäglichen Lebensbedarf zu decken. Der Schwarzmarkt blüht, Zigaretten werden zu einer Art Zweitwährung. Nur Arbeiterfamilien haben wenig Sachgüter. Sie sind vom Tauschhandel weitgehend ausgeschlossen.

Silberstreif am Horizont

Doch schon Ende der 1940er Jahre zeigen sich vorsichtige Anzeichen einer wirtschaftlichen und sozialen Besserung. Die Trümmer werden beseitigt, Verkehrswege repariert und Häuser wiederaufgebaut. Das schafft Arbeit und Einkommen, das Wirtschaftsleben kommt langsam in Gang, auch weil der Bedarf an Haushaltsgegenständen, Kleidung usw. groß ist.

Mit der Währungsreform in den Westzonen am 20. Juni 1948 werden das Barvermögen und die Schulden abgewertet. Jede Person bekommt 40, später noch einmal 20 Mark ausgezahlt. Dieses Verfahren bevorzugt die Besitzer von Sachwerten. Hinzu kommt, dass am 25. Juni 1948 die Preise für die meisten Waren freigegeben werden, der Lohnstopp in der Bizone jedoch bis zum 3. November 1948 in Kraft bleibt. Die Lebenshaltungskosten steigen im zweiten Halbjahr 1948 um 17 Prozent. Die Arbeitslosenzahl verdoppelt sich auf eine Million. Dennoch: Die Wirtschaftstätigkeit wird angekurbelt und die Versorgung verbessert sich.

Auch in der Ostzone führt die Einführung der neuen Währung am 23. Juni 1948 zu einer spürbaren Belebung der Wirtschaftstätigkeit. Um die Planvorgaben zu erfüllen, bleiben aber Reglementierungen und Rationierungen weiterhin in Kraft.

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Kohleklau und Schwarzmarkthandeln sichern das Überleben. Aus Stahlhelmen werden Kochtöpfe. @ DGB

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