Urabstimmung im Hüttenwerk Oberhausen am 29.November 1950 ©AdsD/6/FOTB016382
1950-1966
West: Die "Wirtschaftswunder"-Jahre

DIstanz zu Gewerkschaften

Angestellte, Frauen, Jugend bleiben zurückhaltend

Wenig Rückhalt bei Angestellten

Die Gewerkschaften haben in den 1950er Jahren Schwierigkeiten, den Strukturveränderungen der Arbeitnehmerschaft zu folgen. Zwar sinkt der Anteil der Arbeiter und Arbeiterinnen an den Gewerkschaftsmitgliedern von 83,1 Prozent (1950) auf 77,8 (1966) und der der Angestellten bzw. Beamten steigt von 10,4 auf 13,2 Prozent bzw. von 6,5 auf 9 Prozent. Doch damit sind Arbeiter(innen) immer noch weit überrepräsentiert, beträgt ihr Anteil an der Zahl der Arbeitnehmer doch 1966 „nur” noch 59 Prozent. Die Gewerkschaften vollziehen also die Veränderungen der Arbeitnehmerschaft nur sehr schleppend und unvollkommen nach.

Trotz verstärkter Werbemaßnahmen gelingt es den Gewerkschaften nicht, einen nennenswerten Durchbruch bei den Angestellten zu erreichen: Während der Organisationsgrad bei Arbeitern und Arbeiterinnen Anfang der 1960er Jahre um die 40 Prozent beträgt, liegt er bei Angestellten – DGB- und DAG-Verbände zusammengenommen – bei rund 19 Prozent.

Frauenanteil wächst nur langsam

Der Frauenanteil an der Gewerkschaftsmitgliedschaft stagniert und liegt 1950 wie 1965 bei etwa 16 Prozent. Dennoch: Auf diesem Gebiet können die Gewerkschaften, die bereits 1949 Richtlinien zur Frauenarbeit verabschiedet haben, organisatorisch mit der Zunahme der Frauenerwerbsarbeit Schritt halten – allerdings ohne ihre insgesamt schwache Position dadurch zu verbessern. Aber immerhin prägen nun vereinzelt auch Frauen das Gesicht der Gewerkschaftsorganisation: Maria Weber, die seit 1950 in der Abteilung Frauen im DGB-Bundesvorstand arbeitet, wird 1956 Mitglied im Geschäftsführenden Bundesvorstand des DGB. 1972 wird sie zur Stellvertretenden Vorsitzenden des DGB gewählt. Maria Weber ist zudem in den CDU-Sozialausschüssen aktiv.

Zu wenig junge Mitglieder

Probleme erwachsen den Gewerkschaften auch aus dem Trend zur Überalterung der Mitgliedschaft: Sind 1963/64 nur 51 Prozent aller männlichen Arbeitnehmer über 35 Jahre alt, so beträgt deren Anteil an der Gewerkschaftsmitgliedschaft 72 Prozent. Mit einer Verstärkung der Jugendarbeit versuchen die Gewerkschaften ab Anfang der 1960er Jahre die Altersstruktur der Mitgliedschaft zu verbessern. Dabei geht es nicht nur um Angebote zu beruflichen Qualifikationsmaßnahmen, sondern vor allem um gesellschaftspolitische Bildungsveranstaltungen und politische Mobilisierung.

Seiten dieses Artikels:

1950 - 1966

Verhältnis DGB und SPD: Wenig Einfluss der Gewerkschaften auf die Bonner Politik
DGB blickt optimistisch in die Zukunft
Konzentration auf die Tarifpolitik
Uneins über die Rolle des DGB

Themen und Aspekte dieser Epoche:

Arbeitermileus lösen sich auf
Organisationsstruktur des DGB
Angestellte, Frauen und junge Leute bleiben den Gewerkschaften gegenüber zurückhaltend 
Debatte um den politischen Streik

Verfügbare Statistiken für diese Epoche:
Arbeitslosigkeit, Arbeitszeit, Arbeitskämpfe, Löhne, Mitgliederentwicklung der Gewerkschaften, Strukturdaten zur Erwerbsbevölkerung.

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Kinder, Küche .. auch im DGB setzt sich nach 1945 nur sehr langsam ein neues Rollenverständnis der Frau durch..© DGB

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